300 Jahre Maria Theresia

Schloss Hof aussen -¬ Hertha Hurnaus f++r SKB
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Maria Theresia: Strategin – Mutter – Reformerin, Sonderausstellung von 15. März bis 29. November 2017

Als Maria Theresia am 13. Mai 1717 in Wien zur Welt kam, war ihr Weg zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der europäischen Geschichte alles andere als vorgezeichnet. Die sogenannte „Pragmatische Sanktion“ verankerte die Unteilbarkeit der habsburgischen Gebiete und ebnete ihr als Frau den Weg auf den Thron. Zur Durchsetzung ihrer Herrschaftsansprüche musste sie jedoch jahrelang kämpfen. Es war eine Zeit grausamer Kriege.

Maria Theresia im pelzverbr+ñmten Kleid (1743), Maler_ Jean-+ëtienne-Liotard -A. E. Koller f++r SKB
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Licht und Schatten
Die 40jährige Regentschaft der „Schwiegermutter Europas“ – wie sie aufgrund ihrer Heiratspolitik auch genannt wurde – steht für Krieg, Leid und Intoleranz ebenso wie für Modernisierung, Reformen und Kunstsinnigkeit. Egal ob Staat, Steuerwesen, Verwaltung, Schule, Universitäten oder Militär: Maria Theresia setzte den Grundstein für einen modernen Staat. Gleichzeitig standen ihre moralischen Ansichten im krassen Gegensatz zum aufklärerischen Gedankengut ihrer Zeit. Ihrem Interesse an Kunst und ihrem Bedürfnis nach Repräsentation verdanken wir Kulturschätze wie Schloß Schönbrunn.

Faszinierende Geschichte an Originalschauplätzen
Die Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. und der KHM-Museumsverband nehmen den 300. Geburtstag Maria Theresias zum Anlass einer umfassenden Ausstellung an vier Standorten in Wien und Niederösterreich. Ihr Leben und Wirken werden dabei ebenso beleuchtet wie ihr Mythos hinterfragt wird. Schauplätze dieser spannenden Auseinandersetzung sind historische Orte, die in engem Zusammenhang mit dem Wirken von Maria Theresia stehen: Schloss Hof und Schloss Niederweiden ließ sie maßgeblich ausbauen. Sie gründete das Hofmobiliendepot, das Anfang des 20. Jahrhunderts seinen heutigen Standort in der Andreasgasse fand. Die k.u.k. Wagenburg, die sich seit 1922 in ihrer Lieblingsresidenz Schönbrunn befindet, beherbergt ihren prächtigen Fuhrpark.

Schloss Hof – Bündnisse und Feindschaften

Schloss Hof aussen -¬ Hertha Hurnaus f++r SKB
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Österreichs grösste Schlossanlage auf dem Lande
Im Rahmen eines viertägigen opulenten barocken Festes 1754 konnte Maria Theresia zum Kauf von Schloss Hof animiert werden, das Johann Lucas von Hildebrand im Auftrag von Prinz Eugen von Savoyen erbaute hatte. Hier sollte sich ihr Mann, Kaiser Franz I. Stephan „von der Last des Regierens erleichtern“. Als dieser jedoch 1765 während der Hochzeitsfeierlichkeiten ihres Sohnes Erzherzog Peter Leopold verstarb, ließ Maria Theresia Schloss Hof kunstvoll im Stil des Klassizismus um- und ausbauen und ihr Witwenappartement dort einrichten. Die berühmte, nicht standesgemäße Hochzeit ihrer Lieblingstochter Maria Christina mit Herzog Albert von Sachsen-Teschen fand 1766 in der Kapelle von Schloss Hof statt.

Publizierung der Pragmatischen Sanktion durch Karl VI., Wien, 19. April 1713. -¬ +ûst. Staatsarchiv, Abt. Haus-, Hof- und Staatsarchiv
(c) Staatsarchiv, Abt. Haus-, Hof- und Staatsarchiv

Ein schwerer Start
Am Beginn der Ausstellung steht die sogenannte „Pragmatische Sanktion“, welche die weibliche Erbfolge und die Unteilbarkeit der habsburgischen Gebiete regelte. Dennoch war Maria Theresias Regierungsantritt nach dem plötzlichen Tod von Kaiser Karl VI. alles andere als einfach. Die österreichischen Erbfolgekriege gegen Bayern, Sachsen, Preußen und Frankreich prägten die ersten Jahre von Maria Theresias Regentschaft und fanden mit dem Frieden von Aachen 1748 ein Ende.

Ausstellung Schloss Hof (c) Martina Siebenhandl f++r SKB (2)
(c) Martina Siebenhandl für SKB

Feinde werden zu Verbündeten
In der kurzen Friedensperiode von 1748 bis 1756 kam es zu einem Paradigmenwechsel in der Bündnispolitik. Frühere Feinde wie Frankreich wurden zu Verbündeten. In dieser Konstellation begann 1756 der „Siebenjährige Krieg“, dessen Dimensionen in Europa und den Kolonien in Amerika und Indien in der Ausstellung greifbar gemacht werden. Schließlich erwarb Maria Theresia Galizien-Lodomerien, die Bukowina und das Innviertel. Die österreichische Ratifikationsurkunde des Friedens von Teschen 1779 aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv ist ein Highlight der Schau. Mit diesem Vertrag kam das Innviertel an Österreich.

Ausstellung Schloss Hof (c) Martina Siebenhandl f++r SKB (5)
(c) Martina Siebenhandl für SKB

Glanz und Elend
Eindrucksvolle Gemälde von Schlachten sowie Portraitgemälde und Büsten berühmter Feldherren dieser Zeit werden in der Sonderausstellung gezeigt. Neben den heute noch bekannten Persönlichkeiten wie Leopold Joseph Maria Graf Daun, Gideon Ernst von Laudon oder Andreas von Hadik kommt auch das Elend der einfachen Soldaten zur Sprache. Die Söldner waren das Kanonenfutter machtpolitischer Interessen. Auch das Invalidensystem und die Versorgung der Kriegswaisen sind Thema.

Schloss Niederweiden – Modernisierung und Reformen

Schloss Niederweiden -¬ Harald Boehm f++r SKB
(c) Harald Böhm für SKB

Die Bauherrin eines modernen Staates
Das architektonische Kleinod Schloss Niederweiden wurde 1693/1694 im Auftrag von Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg vom selben Architekten errichtet wie Schloss Schönbrunn, nämlich von Johann Bernhard Fischer von Erlach. 1726 erwarb Prinz Eugen von Savoyen Schloss Niederweiden. Maria Theresia kaufte es 1755 zusammen mit Schloss Hof und beauftragte zehn Jahre später ihren Hofarchitekten Nicolaus von Pacassi mit dem Um- und Ausbau. Im Rahmen dieser Modernisierung ließ sie die Räumlichkeiten samt Festsaal in der damals beliebten China-Mode ausstatten. Dieser Wille zur Gestaltung, sei es in Schönbrunn, in Schloss Hof oder Schloss Niederweiden, der sich auch in der Politik der Regentin manifestierte, ist Thema der Sonderausstellung am Standort Schloss Niederweiden.

Ausstellung Schloss Niederweiden (c) Martina Siebenhandl f++r SKB (1)
(c) Martina Siebenhandl für SKB

Die Impulse und ihre geistigen Väter
Am Beginn der Ausstellung werden das ständische System und die enormen sozialen Unterschiede einprägsam dargestellt, um zu begreifen, welche tiefgreifenden Auswirkungen die Reformen Maria Theresias hatten. Ihre Reformen waren wesentlich nachhaltiger als ihre militärisch-politischen Erfolge oder Niederlagen. Im Festsaal von Schloss Niederweiden werden die Denker ihrer Reformen dargestellt, sei es Gerhard von Swieten mit der Universitätsreform oder Joseph Leopold von Daun mit der Militärreform und Gründung der Militärakademie in Wiener Neustadt. Eine Serie von Bildern aus dem Leben der Zöglinge von Bernhard Albrecht dokumentiert diese Einrichtung. Schulbänke erinnern an die Einführung der allgemeinen Schulpflicht. Viele von Maria Theresia gegründete Bildungseinrichtungen existieren noch heute als Theresianum, Handelsakademie, Veterinärmedizinische Universität, Montanuniversität oder Kunsthochschulen.

Ausstellung Schloss Niederweiden (c) Martina Siebenhandl f++r SKB (5)
(c) Martina Siebenhandl für SKB

Aufklärung und Zurückhaltung
Mit der Reform von Staat, Steuerwesen, Verwaltung, Schule, Universitäten und Militär setzte Maria Theresia wesentliche Schritte zur Modernisierung ihres Reiches. Sie bediente sich dabei auch Anhängern der Aufklärung wie etwa dem Augustiner-Chorherren-Abt Johann Ignaz von Felbiger. Der Gedanke der Nützlichkeit für das Wohl des Staates und seiner Bevölkerung war an ihrem Handeln klar zu erkennen. Gleichzeitig stand sie selbst als erzkatholische Herrscherin der Aufklärung skeptisch gegenüber. Die Folter schaffte sie erst auf Drängen von Joseph von Sonnenfels ab. Ihre Gesetzgebung „Constitutio Criminalis Theresiana“ von 1769 enthielt noch der Aufklärung suspekte Delikte wie Hexerei.

Hofmobiliendepot – Familie und Vermächtnis

Spieltisch Karl VI und Elisabeth Christines, Wien um 1710 -¬ BMobV, Foto_ Marianne Haller
(c) Marianne Haller für BMobV

Depot und Museum
Mit derzeit etwa 6.500 ausgestellten Objekten ist das Hofmobiliendepot . Möbel Museum Wien eine weltweit einzigartige Möbelsammlung. Die im Besitz der Bundesmobilienverwaltung befindlichen Möbel dokumentieren ganz bewusst in einer Mischung aus Depotcharakter und musealer Bespielung drei Jahrhunderte Wohnkultur. 1747 setzt Maria Theresia erstmals einen Hofmobilieninspektor ein, der mit der Inventarisierung, Pflege und Instandhaltung des hofärarischen Mobiliars beauftragt war. Ursprünglich war das Depot in Schönbrunn angesiedelt. Anfang des 20. Jahrhunderts bekam es seinen heutigen Standort in der Andreasgasse in Wien-Neubau.

Maria Theresia im gelben Kleid, Alois Hans Schram, 1894 -¬ BMobV, Foto_ Tina Haller
(c) BMobV, Foto: Tina Haller

Die Landesmutter und ihr Mythos
Am Beginn der Sonderausstellung steht eine Begegnung mit der Witwe Maria Theresia. Im ersten Teil der Schau wird der Mythos rund um die Regentin genau analysiert. Hier sind die vielen Denkmäler Maria Theresias ein wichtiges Thema, sei es in literarischer, musikalischer oder skulpturaler Form. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts sowie nach 1945 spielt Maria Theresia nämlich bei der Findung der „österreichischen Identität“ eine ganz entscheidende Rolle.

„Bildpolitik“ als Legitimation der Herrschaft
Die immense Bildproduktion hatte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch die Funktion, zentrale Ansprüche und Funktionen habsburgischer Herrschaft zu unterstreichen. Wichtige Stationen dieser „Bildpolitik“ der Regentin wie die ungarische (1741) und böhmische Krönung (1743) sind Gegenstand des zweiten Teils der Ausstellung. In zeitgenössischen Karikaturen wird Maria Theresia zum Feindbild der antihabsburgischen Propaganda.

Familienportr+ñt um 1754, Maler_ von Martin van Meytens -¬ BMobV, Foto_ Fritz Simak f++r SKB
(c) BMobV, Foto Fritz Simak

Familie als politisches Geschäft
16 Kinder brachte Maria Theresia zur Welt, von denen zehn das Erwachsenenalter erreichten. Ihre Fruchtbarkeit war sicher auch der sehr glücklichen Beziehung zu Franz I. Stephan zu verdanken. Als Politikerin regierte sie vor, während und nach ihren Schwangerschaften mit eiserner Selbstdisziplin. Die so genannten „Ajos“ und „Ajas“ erzogen ihre Kinder nach minutiös ausgearbeiteten Vorschriften. Bekanntlich wurden alle bis auf Maria Christina politisch gewinnbringend verheiratet. Sie erlebten höchst unterschiedliche Schicksale, die in der Ausstellung beleuchtet werden.

Kulturelle Schätze
Was die Kunstliebhaberin Maria Theresia betrifft, so ist wohl Schloß Schönbrunn das am meisten beeindruckende Erbe des sogenannten „mariatheresianischen Rokoko“. Umbau, Innenausstattung und Garten ihrer Sommerresidenz werden unter anderem mit Objekten aus der Beletage des Schlosses dokumentiert.

Kaiserliche Wagenburg Wien – Frauenpower und Lebensfreude

Kaiserliche Wagenburg Wien -¬ KHM Museumsverband
(c) KHM Museumsverband

Zeichen der Macht
Da das Volk seine Herrscher meist nur bei Umzügen im Wagen sah, kam der Gestaltung von Prunkfahrzeugen stets größte Bedeutung zu. Die Übernahme der Kutsche eines Vorgängers oder Gegenspielers und das damit verbundene Anpassen von Insignien und Ikonografie waren wichtige Symbole der Macht. Auch Maria Theresia ließ den Einzugswagen ihres Vaters mit neuen, auf ihre weibliche Herrscheridentität anspielenden Malereien versehen. Für ihre vielen Kinder ließ die 16fache Mutter modische Kutschen bauen. Mit diesen „Berlinen“ stellte die Dynastie bei öffentlichen Einzügen ihre beeindruckende personelle Stärke publikumswirksam zur Schau. Die Ausstellung zeigt erstmals eine Auffahrt dieser Wägen mit originaler Anspannung, wobei auch erstaunliche Restaurierungsergebnisse präsentiert werden.

Ornat f++r einen Ritter des von Maria Theresia gegr++ndeten Ungarischen Sankt Stefans Ordens. Wien, um 1764 -¬ KHM, Monturdepot
(c) KHM, Monturdepot

Herrschaftsanspruch einer Frau
Maria Theresia nahm selbstverständlich ihre Herrscherrechte in Anspruch und verteidigte sie vehement gegen alle Angriffe. Sie verstand sich dabei aber stets als Ausnahme innerhalb einer ansonsten unantastbaren männlichen Weltordnung. Sie überschritt Grenzen, welche die Gesellschaft ihrer Zeit Frauen auferlegte, ohne sie prinzipiell in Frage zu stellen. Die enorme Akzeptanz, die sie zur großen Verwunderung ihrer Feinde in der Bevölkerung fand, lag nicht zuletzt darin, dass sie es meisterhaft verstand, ihre weibliche Identität offen zu leben und dennoch ausgeprägte „männliche“ Herrschertugenden an den Tag zu legen.

Martin van Meytens (Schule)_ Franz I. Stephan und Maria Theresia mit elf Kindern. Wien, um 1764,65 -¬ KHM, Gem+ñldegalerie
(c) KHM, Kaiserliche Wagenburg Wien

Denn Spectacle müssen seyn!
Die junge Maria Theresia war bekannt dafür, dass sie gerne und ausgelassen feierte und tanzte. Zu ihren bevorzugten Vergnügungen gehörte außerdem das Reiten, wobei sie zum Erstaunen ihrer Zeitgenossen auch gerne Herrensättel benützte. Ein Highlight der Ausstellung wird das erstmals öffentlich gezeigte barocke Reitzeug der Monarchin sein, dessen prächtige Reitstange mit Reliefporträts des Herrscherpaares verziert ist. Die enge Verknüpfung von Vergnügen und Politik belegt das Damenkarussell, mit dem Maria Theresia während des ersten österreichischen Erbfolgekrieges ebenso subtil wie publikumswirksam zeigte, dass sie auch in traditionell männlich-kämpferischen Disziplinen „ihren Mann“ zu stehen wusste. In der Ausstellung kann man das einmalige Ereignis durch eine virtuelle Installation rund um den prächtigen goldenen Karussellwagen nacherleben. Auch die großen Schlittenfahrten, mit denen sich die Hofgesellschaft im Winter vergnügte, waren Teil der fürstlichen Selbstdarstellung. Wie eindrucksvoll sie waren, wird eine opulente Prozession kunstvoller Gefährte mit Pferdegeläute zeigen.

Öffnungszeiten & Eintrittspreise
Ausstellungsdauer: 15.3.2017–29.11.2017

Maria Theresia Kombiticket
Nutzen Sie die Chance des Kombitickets zur Ausstellung, das den einmaligen Eintritt für alle 4 Standorte während der Dauer der Ausstellung inkludiert:
Erwachsene € 29,00
Kinder 6–18 € 16,00

Tipp: Beim Vorzeigen des Maria Theresia Kombitickets im Hop on Hop off Bus nach Schloss Hof und Schloss Niederweiden (Graue Linie) erhalten Sie 10% Ermäßigung auf den Fahrtpreis.

Hofmobiliendepot • Möbel Museum Wien (inklusive Audioguide)
Erwachsene € 9,50
Kinder 6–18, Wien-Karte € 6,00
Schülergruppen ab 10 Pers. € 4,90
Ermäßigt
Studenten 19-25, Senioren 60+ € 8,50
Achtung: Gruppen über 10 Personen bitte unbedingt im voraus anmelden unter 01 524 33 57 oder info@hofmobiliendepot.at

Öffnungszeiten:
15.3.–29.11.2017 täglich
10.00–18.00 Uhr
http://www.hofmobiliendepot.at/

Kaiserliche Wagenburg Wien (inklusive Audioguide)
Erwachsene € 9,50
Kinder 6–18 gratis*
Schülergruppen gratis*
Ermäßigt
Studenten 19-25, Senioren 65+ €6,00*
Ermäßigt mit Wien-Karte €8,50
*exklusive Audioguides

Öffnungszeiten:
15.3.–29.11.2017 täglich
9.00–17.00 Uhr
http://www.kaiserliche-wagenburg.at

Schloss Niederweiden (inklusive Audioguide)
Erwachsene € 9,50
Kinder 6–18 € 6,00
Schülergruppen ab 10 Pers. € 4,90
Ermäßigt
Studenten 19-25,
Senioren 60+, Wien-Karte € 8,50

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